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Atemdynamik lunare und solare Atemtypen

Unterscheidung der Atemtypen  „Herrschen im Augenblick der Geburt in der Atmosphäre Dehnungsimpulse vor, (Mond = lunar), verstärken diese die erste Einatem-Bewegung (Dehnung) im Körper. Die nachfolgende Ausatmung erfährt keine Verstärkung, sondern wird eher verlangsamt. Herrschen jedoch verstärkt zentrierende Impulse (Sonne = solar) in der Atmosphäre vor, wird die erste zentral gesteuerte Ausatembewegung (Zentrierung) im Körper verstärkt. Hier wird die nachfolgende Einatmung eher verlangsamt. Diese erste dynamische Prägung bleibt für den Rest des Lebens bestehen und bestimmt das Wachstum des Organismus, den Stoffwechsel und die Bewegungsdynamik des Menschen. Sie macht ihn also zum einatem-betonten (lunaren) oder zum ausatembetonten (solaren) Atemtyp, zum Dehnungs- oder Zentrierungstyp. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Wenn die Kurven von Sonne und Mond sich zum Zeitpunkt der Geburt überschneiden, ist die Aussagekraft der graphischen Darstellung nicht ausreichend differenziert. Menschen, die in dieser Zeitspanne geboren sind, werden als „Wechseltyp“ oder „Fragezeichen-Typ“ bezeichnet. Ihnen wird empfohlen, über mehrere Wochen bzw. Monate beide Varianten in den Asanas (Haltungen) auszuprobieren, um eindeutige Erfahrungen damit machen zu können, bevor sie sich dann für eine der beiden entscheiden.“ (Quellenangabe: „Yoga und Atemtypen“ von Anna Troekes und Margarete Seyd, Seite 33) Es gibt dafür aussagekräftige Tabellen und wer mehr darüber wissen möchte, sollte sich das oben angeführte Buch, erschienen im Aurum-Verlag 2008, zulegen (siehe bei meinem Button „Bücher, Filme und CDs“).

Es gibt auch einen Link http://hagena.name/allgemein/allgemein.html

bei dem du genau aufgrund deines Geburtsdatums sehen kannst, zu wieviel Prozent du lunar bzw. solar geprägt bist. Durch die Differenzierung nach einatem-betonten und ausatem-betonten Atemtypen kann der Schüler in den Haltungen wesentlich freier und tiefer atmen, d.h. er ist viel mehr in seiner Atemkraft- und -fülle. Dadurch werden die Asanas wohltuender empfunden und können effizienter wirken. Um festzustellen, ob ich eher ein- oder ausatembetont bin, sollte ich in der tiefen Yoga-Vollatmung bewusst die Einatmung erst gezielt in den Bauch hinunterschicken und danach gezielt nach oben bis hoch zu den Schlüsselbeinen. Fällt es mir leichter, beim Einatmen mühelos in den Brustkorb bis hoch zu den Schlüsselbeinen zu atmen, bin ich einatem-betont (lunar), wenn ich dagegen das Gefühl habe, mich dafür anstrengen zu müssen, dann wird es mir wahrscheinlich leichter fallen, den Atem auch beim Einatmen mühelos runter in den Bauch zu bekommen, dann bin ich ausatembetont (solar). Ein weiteres Indiz ist die natürliche Atempause – ist sie eher nach der Einatmung (lunar) oder eher nach der Ausatmung (solar)? Wenn die Einatmung das aktive Element ist beim Atemvorgang bin ich lunar geprägt, ist die Ausatmung das aktive Element, handelt es sich um eine solare Prägung.

Grundsätzlich lässt sich sagen, da wo das Kinn hinzeigt, folgt die Atmung nach. Lunare Atemtypen sollten es daher vermeiden, das Kinn in den Asanas aktiv nach unten zu neigen ( z. B. im Schulterstand und Pflug, den beiden Umkehrpositionen lieber das Kinn immer schön gerade halten), während dies den solaren Atemtypen entgegenkommt. Lunare Atemtypen nutzen in den Asanas (Haltungen) immer den Widerstand des Bodens, und die Einatmung ist aktiv (da ist ihr Fokus drauf), während die Ausatmung dann passiv lösend ist. Der Körperschwerpunkt ist bei ihnen mehr hinten – sozusagen am hinteren Raum angelehnt. Während solare Atemtypen ihr Gewicht gerne mit der Ausatmung an den Boden abgeben, bei ihnen ist die Ausatmung aktiv (da ist ihr Fokus) und die Einatmung passiv lösend. Ihr Körperschwerpunkt ist eher vorne – sozusagen am vorderen Raum angelehnt. Dies lässt sich auch durch eine leichte Erhöhung der Sitzposition unterstützen (zusammengelegte Decke unter die Sitzhöcker legen und nur vorne draufsetzen). Für sie ist es eher ungünstig in die Durchstreckung der Gelenke zu gehen, sie sollten in den Knie- und Ellbogengelenken lieber ein leichtes Spiel behalten, während die lunaren Atemtypen durch das aktive Durchstrecken der Knie- und Ellenbogengelenke wieder tiefer in ihrer Atemfülle sein können.

(Text aus Gap-Yoga Gabriele Hiller)

Margarete Seyd 

           

Margarete Seyd ist Diplompädagogin und Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin nach Schlaffhorst-Andersen. Seit 1985 ist sie in freier Praxis therapeutisch tätig.
Sie bietet Einzel- und Gruppentraining in Sprech- und Stimmbildung für Lehrer, Therapeuten, Schauspieler und Angehörige anderer Berufsgruppen mit hoher Sprechanforderung an.